Sonne, Berge und eine verschwundene Stadt

Winter in Neuseeland. Witterungstechnisch bedeutet das, dass sich hier Sonne, Regen, Hagel, Wind und Schnee manchmal an einem einzigen Tag erleben lassen. Das Wetter kann so wechselhaft sein, dass man sich besser auf alle Eventualitäten einstellt. Daher war ich auch ziemlich skeptisch, als der Wetterbericht in Picton für die nächsten Tage durchgehend Sonne angekündigt hat. Das wär einfach viel zu schön, um wahr zu sein. Besonders, nachdem es ja auf der Nordinsel ziemlich nass gewesen ist. Aber der erste Blick aus dem Fenster Anfang letzter Woche lässt dann sogar hoffen. Blauer Himmel und fast keine Wolken am Himmel. Und das, obwohl es am Vortag noch fast ununterbrochen geregnet hat. Wie das doch die Motivation aufs Rad zu steigen heben kann. Schnell sind da die Taschen gepackt und am Rad befestigt.

Ursprünglich war ja mein Plan an der Ostküste entlang bis nach Christchurch zu fahren. Das wäre auch der direkte Weg. Letzte Woche hab ich diesen Plan dann aber spontan verworfen, denn ich wollte nochmal so richtig spektakuläre und neuseelandtypische Berglandschaften erleben. So schön die Nordinsel auch ist, aber das hat sie dann eher nicht zu bieten gehabt – abgesehen vielleicht vom Tongariro-Nationalpark. Von Picton aus mach ich mich daher Richtung Westküste auf den Weg. Die werde ich bis Greymouth, was sich etwa auf der Höhe von Christchurch befindet, entlangradeln, von dort ins Landesinnere Richtung Osten abbiegen, dann die Südalpen via Arthurs Pass überqueren,  weiter nach Christchurch und dann nach Akaroa fahren. Das ist zeitlich machbar und landschaftlich sicher auch viel eindrucksvoller als die Ostküste. Und wenn sich das Wetter wirklich halten sollte, dann werde ich sogar ein ganzes Stück an der Westküsten unterwegs sein können, ohne nass zu werden. Mal sehen…

Am Montag mach ich mich von Picton aus auf den Weg. Und das Wetter, das könnte echt nicht besser sein. Der Nordwesten der Südinsel gehört ja zu den sonnigsten Regionen Neuseelands. Und das erlebe ich gleich mal auf sehr eindrucksvolle Weise. Es ist sonnig und warm und schon jetzt ganz anders als auf der Nordinsel. Dort herrschte ja noch tiefster Winter. Hier sieht man hingegen schon die ersten Blüten an den Bäumen und es riecht richtig nach Frühling. Was für eine unglaublich Wohltat nach den vielen Wochen bei eher nasskalter Witterung. Seit Sydney war es ja wettertechnisch ziemlich durchwachsen gewesen. Aber gut, es ist halt Winter. Die Kälte hat mich dabei auch nie sonderlich gestört, aber die Nässe, die kann dann doch ganz schön an den Nerven zehren. Da gabs gerade in Australien öfter mal Momente, in denen ich andere Reisende, die in ihren warmen und trockenen Campervans unterwegs waren, echt beneidet habe. Besonders morgens.

Nicht jedoch heute. Heute ist es eher umgedreht. Es ist so schön draußen und unterwegs zu sein, dass es sich fast wie von selbst fährt. Dazu hör ich Porcelain von Moby rauf und runter. Ich weiß gar nicht, wo und wie ich jetzt wieder daran geraten bin, aber das passt so gut zum Wetter und auch sonst zu allem. Sonne, Musik hören und Fahrrad fahren. Und dann noch in Neuseeland. Da gibts doch kaum was Schöneres…

Von Picton aus nehm ich den Queen Charlotte Drive Richtung Nelson. Gleich nach dem Start wirds richtig hügelig, aber nicht so, dass man sich komplett verausgaben müsste. Und es ist richtig schön. Bergig, grün und sonnig. T-Shirt-Wetter. Wenn man so durch die Sonne radelt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass es ja auch hier noch Winter ist. Das merkt man aber spätestens, wenn es Abend wird und die Sonne untergegangen ist. Dann wird es ziemlich schnell richtig kalt.
Morgens ist mein Zelt meistens mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Es dauert dann manchmal auch noch eine ganze Weile bis die Sonne es geschafft hat, sich durch die Wolken zu arbeiten. Aber dann ist es schon bald wieder richtig schön. Und das bleibt es tatsächlich auch die nächsten Tage. Ein Hoch auf den Wetterbericht von Picton….

Nach Nelson geht es an der Tasman Bay und am Rande verschiedener Nationalparks entlang. Und ich bin umgeben von schneebedeckten Bergen. Das sieht so toll aus. So kurz vor dem Ende ist das jetzt nochmal ein absolutes Highlight. Zum Glück ist es sonnig, sonst würde mir diese imposante Bergkulisse total entgehen. Für die nächsten Tage wird Nelson die einzige Stadt sein, die ich passiere. Ansonsten komme ich nur an kleinen Ortschaften vorbei. Manchmal nur eine einzige am Tag. Der Nordwesten der Südinsel ist eben ziemlich dünn besiedelt. Auch die restliche Südinsel ist nicht gerade überbevölkert. Insgesamt leben hier nur etwa eine Million Menschen, wobei die Südinsel in etwa so groß ist, wie Ostdeutschland und Bayern zusammengenommen. Also reichlich Platz für wenig Menschen.

Vor 150 Jahren haben Goldfunde gerade im Nordwesten viele kleine Ortschaften entstehen lassen. Einige davon sind dann irgendwann wieder verschwunden. So, wie die kleine Stadt Lyell. Die hat mich im Nachhinein total fasziniert. Mitte des 19. Jh. zur Zeit des Goldrausches entstanden, lebten hier zeitweise über 1000 Menschen. Das war für damalige Verhältnisse eine richtig pulsierende Stadt. Es gab Banken, Geschäfte, acht Hotels, zwei Kirchen, zwei Schulen, eine Brauerei und sogar eine eigene Zeitung. Heute hingegen ist von all dem ist nichts mehr übrig. Nicht ein einziges Haus. Die Stadt ist einfach wieder verschwunden. Nur der Fredhof steht noch vom Wald überwuchert da. Dort wo Lyell einst stand, befindet sich heute der Startpunkt für einen Radwanderweg und ein Rast- und Picknickplatz der neuseeländischen Naturschutzbehörde. Ansonsten hätte ich von diesem Ort auch nie erfahren, denn eigentlich wollte ich hier ja nur zelten. Aber durch ein paar Infotafeln und Nigel, einem Goldsucher, der hier mit seiner Frau campiert, hab ich etwas von Lyell und seiner Geschichte erfahren können.

Mich faszinieren solche Orte ja total. Über einhundert Jahre gab es hier einen ganz normalen Alltag mit Menschen und ihren Geschichten und heute ist das alles bis auf einen Friedhof vollkommen verschwunden. Und ohne mein Fahrrad hätte ich von diesem Ort nie erfahren, denn im Auto wäre ich an Lyell bestimmt einfach vorbeigefahren.

Nach Lyell ging es dann in den letzten Tagen über Westport und auf dem Küstenhighway bis Greymouth. Von hier werde ich morgen dann weiterfahren und Richtung Arthurs Pass aufbrechen. Und von dort sind es dann nur noch drei oder vier Tagesetappen bis Akaroa.

 

 

Ankunft auf der Südinsel

Eigentlich brauch ich ja selten einen Wecker. Letzten Donnerstag hab ich mir dann aber doch einen gestellt, denn am Freitag ging es ungewohnt früh raus. Um acht Uhr sollte meine Fähre ablegen, letzter Check-in war um sieben. Und da ich mir beim Frühstücken immer gern Zeit lasse, hat mein Wecker am Freitag eben schon kurz vor halb sechs die Nacht für beendet erklärt. Das mit dem Wecker war gar keine schlechte Idee, denn ohne wäre mein Morgen wahrscheinlich ziemlich chaotisch verlaufen, da ich mit Sicherheit verschlafen hätte. Bin ich gar nicht mehr gewohnt, so früh aufzustehen. Ich brauchte daher auch ein bisschen, um in Gang zu kommen. Aber es wird.
Kurz vor sieben Uhr steh ich abreisefertig vor der Jugendherberge und kontrolliere wie jeden Morgen bevor ich losfahre noch routinemäßig, ob ich alles wichtige, also Reisepass, Geldbörse, Kamera und Handy, dabei habe. Dann noch schnell das GPS-Gerät für die Aufzeichnung meiner Reiseroute einschalten, den aktuellen Kilometerstand notieren und los.

Kurz vor sieben bin ich am Fährhafen. Das Terminal ist noch ganz leer, füllt sich aber zusehends mit Passagieren. Nach dem Check-in kann ich mich nochmal zurücklehnen, denn die Fähre hat eine halbe Stunde Verspätung. Mich stört das nicht, denn ich hab ja Zeit und ab Picton auf der Südinsel geht es wirklich nur noch mit dem Rad weiter, ganz anders als bei vielen anderen Wartenden, die einen Bus erwischen müssen und schon ganz unruhig werden.

Ja, jetzt geht es tatsächlich auf die allerletzte Etappe. Schon irgendwie ein komisches Gefühl. Wenn ich die Fähre verlassen habe, werde ich auf einer Straße stehen, die mich direkt bis Akaroa bringen wird. Bisher war es ja so gewesen, dass immer noch ein oder mehrere Flüge und eine Schiffspassage vor mir gelegen haben. Daher hatte ich selbst auf der Nordinsel Neuseelands das Gefühl, dass Akaroa noch immer ziemlich weit entfernt ist. Ab heute Mittag wird sich das jedoch zum ersten Mal ganz anders anfühlen. Die verbleibende Strecke wird dann nur noch auf wenige Tagesetappen zusammengeschrumpft sein, von denen man jeden Meter mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Da hab ichs jetzt wirklich bald geschafft. Einerseits freut mich das natürlich, denn Akaroa war ja die ganzen Monate mein Ziel gewesen, anderseits muss ich mich aber eben auch langsam damit anfreunden, dass meine Reise bald zu Ende sein wird. Und das wird dann bestimmt eine ganz schöne schwere Umstellung werden.

Im Moment will ich mir darüber aber noch gar nicht so sehr den Kopf zerbrechen und schiebe diese Gedanken daher wieder weit weg. Erstmal freu mich jetzt auf die Überfahrt. Die ist knapp drei Stunden lang und führt auf einer etwa 90 Kilometer langen Route von Wellington durch die sturmgepeitschte Cook Strait, einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Die Fahrt führt bis nach Picton, einer kleinen Stadt an der Nordspitze der Südinsel, fast am Ende des Queen Charlotte Sound gelegen. Dass es stürmisch wird, merkt man schon bei der Hafenausfahrt. Spätestens jedoch, als wir die schützende Hafenbucht von Wellington verlassen haben. Ich kann es nur schwer abschätzen, wie schnell der Wind weht, aber es fällt richtig schwer über das Deck zu laufen. Und stehen kann man nur noch mit deutlicher Schräglage nach vorne. Diesen Wind auf Abruf als Rückenwind beim Radfahren…das wär genial. Ein oder zwei Prozent Steigung ohne zu treten, wären da sicher kein Problem. Ich zieh daher auf jeden Fall mal meine Kapuze ganz fest über den Kopf – hab mich nämlich gerade so langsam mit meiner neue Mütze angefreundet, nicht, dass die auch noch verloren geht.

Ich verbringe die meiste Zeit draußen an Deck, obwohl es mit der Zeit ganz schön kalt wird. Zwischendrin geh ich immer mal wieder rein, um mich ein bisschen aufzuwärmen. Aber nur kurz. Draußen ist es einfach viel zu schön. Allein schon der Wind. Und dann ändern sich auch ständig die Wolkenbilder am Himmel und das Licht auf dem Wasser und an Land. Nachdem wir die Bucht bei Wellington verlassen haben, kann man schon ziemlich deutlich die schneebedeckten Berge auf der Südinsel erkennen. Von der Hafenbucht aus geht es auf der Cook Strait dann erstmal grob Richtung Nordwesten, quasi zwischen beiden Inseln hindurch und dann hinein in den malerisch schönen Queen Charlotte Sound. Hier hat auch schon James Cook während seiner Entdeckungsfahrten immer wieder mal geankert, um sich und seinen Männern eine Pause zu gönnen.

Kaum sind wir vom offenen Meer in den Sound eingebogen, geht der Wind merklich zurück. Dafür fängt es aber bald an so richtig schön zu regnen. Es wär echt auch zu schön gewesen, wenn das Wetter gehalten hätte. Naja, man kann nicht alles haben. Immerhin hatte ich in Wellington drei Tage am Stück regenfrei. In Picton quartier ich mich daher nochmal für eine Nacht in einer Jugendherberge ein, denn die Nordspitze der Südinsel – die Marlborough-Sounds – sollen zu einer der schönsten Gegenden der Südinsel gehören. Und das möchte ich jetzt gern auch mal bei Sonne erleben. Die soll ab morgen wieder scheinen und dann laut Wetterbericht auf jeden Fall auf unbestimmte Zeit. Ich bin gespannt und freu mich auf jeden Fall schon mal auf meine ersten Meter auf der Südinsel.

Aktive Vulkane und Sonne satt

Das Tongariro Alpine Crossing soll ja zu den schönsten Tageswanderungen der Welt gehören. So hab ich es zumindest in einem Reiseführer gelesen. In nur wenigen Kilometern lassen sich hierbei ganz unterschiedliche und äußerst spektakuläre Landschaften erleben. Fast schon wie aus einer anderen Welt. Man passiert erkaltete Lavafelder, heiße Quellen, Gletschertäler und Bergseen und überquert dabei ein Massiv, das von den drei aktiven Vulkanen Mt. Tongariro, Mt. Ruhapehu und Mt. Ngauruhoe beherrscht wird. Und eben dieser Mt. Ngauruhoe war es, der in den Herr-der-Ringe-Filmen quasi zu Weltruhm gelangt ist. Hier hat Frodo nämlich den Ring hineingeworfen und so Mittelerde vor Saurons Herrschaft bewahrt. Für mich Gründe genug, um den Tongariro National Park und das Alpine Crossing zu meinem persönlichen Highlight der Nordinsel zu erklären.

Aber ausgerechnet jetzt ist das Wetter so schlecht. Regen, Schnee und Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h am Red Crater, dem höchsten Punkt der Wanderung, machen eine Überquerung faktisch unmöglich. Ganze vier Tagen harre ich daher in Turangi aus und warte auf eine Wetterbesserung. Aber weder im örtlichen Touristeninfo-Center noch im Hostel macht man mir allzu große Hoffnungen, dass sich diesbezüglich in den nächsten Tage etwas ändern wird. Die Hostelbesitzerin fiebert quasi mit mir mit, aber es hilft alles nichts. Am Sonntagmorgen druckt sie den aktuellen Wetterbericht für den Tongariro-Nationalpark aus und auf dem heißt es, dass bis voraussichtlich Dienstag alle Touren ausgesetzt sind.

Da kann man wohl nichts machen. Bis spätestens Dienstag hätte ich ja gewartet, länger geht es aber absolut nicht, da mir sonst die Zeit auf der Südinsel zu knapp wird. Daher heißt es für mich am Montag Taschen packen und weiter fahren. Ziemlich schade, gerade weil ich wegen des schlechten Wetters schon zwei schöne Radwanderwege ausfallen lassen musste. Aber da steckt man eben nicht drin. Mein Plan ist jetzt, in maximal vier Tagesetappen nach Wellington durchzufahren. So kann ich zumindest ein bisschen Zeit gut machen. Und vielleicht ist das Wetter auf der Südinsel ja ein bisschen besser.

Meine erste Etappe führt mich von Turangi bis National Park. Hier wollte ich mal wieder zelten. Die vielen Nächte in Hostels gehen ja irgendwann doch ganz schön ins Geld. Da es jedoch auch am Montag entgegen aller Vorhersagen fast nur regnet, habe ich nicht die geringste Lust irgendwo im nassen Gras mein Zelt aufzubauen. Glücklicherweise – muss ich im Rückblick sagen. Denn ohne den Regen hätte ich ja nie die Jugendherberge in National Park angesteuert.

An der Rezeption lern ich hier Michael, Malu, Philipp und Logan kennen. Die vier wollten bzw. wollen genau wie ich den Tongariro Nationalpark durchwandern und haben sich gerade für eine Tour angemeldet. Und zumindest Michael und Malu haben ebenfalls schon einige Tage auf besseres Wetter gewartet und sind heute extra nochmal nach National Park zurückgekehrt. Im Grund sind wir also Leidensgenossen. Es steht zwar noch nicht fest, ob es eine Tour geben wird, aber für Dienstag ist jetzt anscheinend doch besseres Wetter angekündigt. Naja, mal abwarten. Ich werd das morgen einfach spontan entscheiden.

Am Dienstag um halb sieben dann der prüfende Blick aus dem Fenster. Die Sonne ist zwar noch nicht aufgegangen aber schon jetzt sieht man keine einzige Wolke am Himmel. Na wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Ich pack meine Sachen – also nur den Rucksack – und los gehts, zusammen mit Michael, Malu, Logan und Philipp zum Treffpunkt des Tourveranstalters. Entgegen unseren Erwartungen herrscht hier dichtes Gedränge. Da haben wahrscheinlich so einige auf besseres Wetter gewartet. Es dauert daher eine ganze Weile bis jeder mit Helm, Eishammer und Steigeisen ausgestattet ist. Aber kurz nach halb neun sind wir startklar und mit zwei Bussen geht es zum Mangatepopo-Parkplatz im Nationalpark. Und von hier beginnt dann unsere Tour. Und das Beste ist: bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Was ein Kontrast zu den letzten Tagen.

Zum Einlaufen geht es erstmal durch ganz flaches Gelände. Bäume gibt es keine, dafür wachsen hier aber noch kleine Büsche und irgendwelche Gräser. Und es liegt Schnee. Trotzdem ist es nach den ersten Metern warm genug, um kurzärmlig zu laufen. Was für eine Wohltat nach den vielen Tagen im Regen. Und das Wetter, das könnte besser nicht sein. Selbst unsere Guides sind ganz begeistert und meinen, dass sie selten so einen guten Blick auf die Berge hatten. Oftmals liegt bei den Touren die Sicht nur bei wenigen hundert Metern, so dass die Vulkane nicht selten hinter einem dichten Wolkenschleier verborgen bleiben. Wir haben allerdings richtig Glück. Selbst der knapp 60 Kilometer entfernte Mt. Taranaki an der Westküste Neuseelands ist in der Ferne zu sehen.

Mit der Zeit wird das Gelände etwas steiler. Über Eis und Schnee geht es vorbei an erkaltetem Lavagestein. Links von uns Mt. Tongariro, im Rücken Mt. Taranaki und rechts bzw. im Süden erhebt sich Mt. Ngauruhoe bzw. der Schicksalsberg immer weiter in den Himmel. Man weiß eigentlich gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Auch Malu, Michael, Philipp und Logan sind total begeistert. Zum Glück hat das noch geklappt. Und dieses Wetter….echt der Wahnsinn.

Während einer der Pausen erfahren wir, dass Mt. Ngauruhoe gerade einmal knapp 2500 Jahre alt ist, ein Wimpernschlag – zumindest im Leben eines Berges. Er ist einer der aktivsten Vulkane Neuseelands und allein im letzten Jahrhundert über 15 Mal ausgebrochen. Sein letzter größerer Ausbruch ereignete sich Mitte der 70er Jahre, weswegen viele der Steine um uns herum noch nicht einmal 50 Jahre alt sind. Seine perfekte Kegelform hat ihm zu seinem großen Auftritt in der Herr-der-Ringe-Trilogie verholfen. Und jetzt direkt mal davor zu stehen….ich muss echt sagen, da hat sich die ganze Warterei wirklich gelohnt.

Der erste richtig steile Anstieg führt uns zum Mangatepopo-Sattel. Schon von hier hat man einen atemberaubenden Blick nach Westen. Wie gesagt, selbst die schneebedeckte Spitze vom Mt. Taranaki an der Westküste Neuseelands kann man deutlich erkennen. Hier auf dem Sattel gibts erst mal eine wohlverdiente Mittagspause. Als wir uns dann irgendwann wieder auf den Weg gemacht haben, befinden wir uns nach ein paar Metern auf einem Hochplateau, dem South Crater und sind im alpinen Bereich des Vulkanmassivs angekommen. Trotzdem hat man mal wieder etwas Zeit zu verschnaufen, da das Gelände vollkommen flach ist. Und es ist weiterhin allerbestes Wanderwetter. Die Sonne brennt vom Himmel und es regt sich kein Lüftchen, so dass man im Laufen ganz schön ins Schwitzen kommt. 

Unser zweiter längerer Anstieg führt uns zum Fuße des Red Crater, einem aktiven Krater, der den höchsten Punkt des Tongariro Alpine Crossings bildet. Von hier würde der Weg jetzt weiter über den Krater gehen. Das sind nochmal knappe 150 Höhenmeter. Für uns ist am Fuße des Red Crater allerdings Schluss. Es besteht erhöhte Lawinengefahr (Stufe 4 von 5) so dass wir uns von hier aus wieder auf den etwa acht Kilometer langen Rückweg machen. Über den Red Crater weiter zum Endpunkt des Alpine Crossings zu laufen, das wäre jetzt natürlich noch das Sahnehäubchen gewesen. Aber ich möcht mich ja gar nicht beschweren. Dass das mit der Wanderung überhaupt noch geklappt hat….da können wir echt froh sein.

Das seh ich spätestens am nächsten Morgen. Denn wie die ganzen letzten Tage auch, regnet es mal wieder fast ohne Unterlass und auch die drei Vulkane sind wieder hinter Wolken verschwunden. Aber es hilft alles nichts, ich muss raus, um jetzt wirklich mal etwas voranzukommen. Nach einem ausgiebigen Frühstück werde ich an diesem Tag bis Wanganui  fahren. Insgesamt fast 125 Kilometer und die ersten 80 davon durch strömenden Regen. Aber das radel ich mit einem Dauergrinsen ab, denn immerhin hat das mit der Wanderung im Tongario-Nationalpark ja nun doch noch geklappt. Und zwar bei allerschönstem Sonnenschein.

Trocken wärs auch ganz schön

Schuhe kaufen – das steht momentan ganz oben auf meiner Liste. Wenn ich zur Zeit nämlich etwas ganz dringend brauchen kann, dann sind es vernünftige Schuhe. Meine Fahrradschuhe haben ja wirklich tapfer durchgehalten – und lange sahs auch wirklich so aus, als würden sie es bis nach Neuseeland und von dort wieder zurück nach Hause schaffen. Aber in Australien war es irgendwann so weit und sie sind mir quasi im Fahren von den Füßen gefallen. Die Stiefel, die ich daraufhin in einer Hippiekommune geschenkt bekommen habe, waren daher ein richtiger Glücksfall. Vor allem auch, weil sie unglaublich bequem sind und wie angegossen passen. Allerdings sind sie nicht wasserdicht, so dass ich tageweise schon mit komplett nassen Schuhen fahren musste. Wasserdicht sollten Schuhe daher hier in Neuseeland auf jeden Fall sein, zumindest, wenn man nur ein Paar besitzt, denn der Winter hat es aktuell ganz schön in sich. Er ist zwar nicht sehr kalt, dafür aber ganz schön nass. Momentan jeden Tag und immer auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Mal ist es eine Art leichter, irischer Sprühregen, bei dem man zunächst kaum merkt, dass es regnet, man aber langsam und fast ebenso unbemerkt immer nasser wird, mal ist es ein typischer Landregen, der über viele Stunden anhält und einen durch das laute Trommeln aufs Zeltdach abends nicht einschlafen lässt, nachts aufweckt und dann lange wach hält und mal sind es kurze kräftige Schauer, bei denen man kaum Zeit hat sich eine Jacke überzuziehen, bevor man völlig durchnässt ist.

Nicht nur tagsüber sondern gerade auch abends bringt mich die aktuelle Wetterlage oftmals zum verzweifeln, da ich, weil der Boden vielerorts nass ist, meist ganz schön lange suchen muss, bis ich ein  halbwegs geeignetes Fleckchen für mein Zelt gefunden habe. Mit meiner Unterlegplane kann ich zwar die gröbste Nässe etwas abhalten, trotzdem wird der Zeltboden, wenn ich lange auf einer Stelle sitze oder liege, nach einer Weile innen einfach nass. Das drückt sich einfach durch. Selbst mit der Plane.  Nachts muss ich daher immer darauf Acht geben mit dem Schlafsack möglichst nicht oder zumindest nicht zu lange auf dem feucht gewordenen Zeltboden zu liegen, da die Feuchtigkeit sonst eben auch langsam in den Schlafsack kriecht. Von oben bin ich nachts bisher aber immer trocken geblieben. Zum Glück. Nicht auszudenken, wenn es zusätzlich zum nassen Zeltboden von oben auch noch zu tropfen anfangen würde.

Morgens ist es bei der Nässe und Kälte immer eine ganz schöne Überwindung aufzustehen. Aber wenn dann mal alles verstaut und in Bewegung ist, geht es wieder. Wichtig ist halt, dass der Oberkörper und vor allem auch die Füße trocken bleiben. Und deswegen geht es die nächsten Tage mal auf Schuhsuche. Das sollte nicht das Problem werden, denn mittlerweile bin ich in Taupo angekommen, einer kleinen Stadt im Zentrum der Nordinsel und einem der Outdoorzentren schlechthin. Wasserdichte Wanderschuhe werde ich wohl am ehesten hier finden. Aber auch so lässt es sich in Taupo ganz gut aushalten, denn man kann hier nämlich so einiges unternehmen. Zum Beispiel viele schöne Wanderungen und Radtouren um den Taupo-See herum oder aber den See mit einem Kanu abpaddeln. Wenn mans etwas gemütlicher mag, kann man auch eine der nahegelegenen Thermalquellen besuchen. Bei der aktuellen Wetterlage vielleicht gar nicht das Schlechteste.

Mein aktueller Favorit wäre allerdings eine Überquerung der Alpen im nicht allzu weit entfernten Tongariro-Nationalpark. Das wäre in einer Tageswanderung möglich und für sich allein ja schon beeindruckend genug, denn die Route führt durch ein Vulkangebiet, vorbei an Bergseen, Kratern und Lavafeldern. Hinzu kommt jetzt allerdings noch, dass der Tongariro-Nationalpark als Kulisse für die Herr-der-Ringe-Filme gedient hat. Und daher würde man bei dieser Wanderung gleichzeitig auch noch mitten durch Mordor und am Mt. Ngauruhoe bzw. dem Schicksalsberg vorbeiwandern und ein atemberaubendes Bergpanorama genießen können. Ich hab die Landschaft ja bisher nur in den Herr-der-Ringe-Filmen oder auf Bildern sehen können, aber diese Wanderung muss wirklich unglaublich beeindruckend sein. Vor allem, wenn das Wetter mitspielt. Denn momentan würde man eigentlich kaum mehr sehen, als Steine, Schnee und dichte Wolken. Daher warte ich mal noch ein paar Tage ab. Zur Not kann ich von Taupo ja auch erstmal weiterfahren, denn es gibt auch noch andere Orte, von denen man zu dieser Tour aufbrechen kann.

Trotzdem kann ich mich bislang aber nicht beklagen. Seit Auckland war ich nämlich hauptsächlich auf verschiedenen Radwanderwegen unterwegs, z. B. dem Hauraki-Rail-Trail und dem Waikato-River-Trail und konnte mich dabei schon mal etwas auf Neuseeland einstellen. Landschaftlich war dieses kurze Stück schon recht facettenreich. So ging es durch hügeliges Farmland, vorbei an kleinen Ortschaften, entlang am Waikato-River und durch verschiedene Wald- und Berglandschaften. Die ganz spektakulären, rauhen, neuseelandtypischen Landschaften (zumindest so wie ich sie mir vorstelle) haben bisher zwar noch gefehlt, sie könnten jetzt aber bald kommen. Eine Gelegenheit wäre in jedem Fall die Alpenüberquerung. Vielleicht hab ich ja Glück und das Wetter bessert sich die Tage mal. Das wär auf jeden Fall genial….

 

 

Einreise mit Hindernissen

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Mein erster Blick auf Neuseeland. Nach knapp drei Stunden Flug taucht unter der Wolkendecke fast wie aus dem Nichts die neuseeländische Küste auf. Ich hätte sie beinahe verpasst, aber auf dem kleinen Bildschirm vor mir hab ich unsere aktuelle Position immer verfolgen können. Daher war natürlich auch klar, wann wir ungefähr auf Land treffen werden. Der allererste Blick aus dem Flugzeugfenster bietet schon jetzt einen kleinen Vorgeschmack auf die Schönheit des Landes, die ich bisher ja nur von Bildern kenne. Ganz schroff und wild sieht Neuseeland von hier oben aus, dunkel und geheimnisvoll. Durch die Wolken hindurch sieht man das Meer, kleine Strände, man kann die Berge erahnen und das tiefe Grün der Landschaft. Ich fühle gleich an die Herr-der-Ringe-Filme erinnert.

Ich freu mich auf Neuseeland und bin schon sehr gespannt. Es fühlt sich aber ganz anders an, als bei meiner Ankunft in Australien. Es ist eine ganz ruhige, leise Freude. Eine, die man vielleicht nur alleine und für sich erleben kann, zumindest, wenn man so lange alleine unterwegs gewesen ist. Schwer zu beschreiben. Neben der Freude, nach all den Monaten nun wirklich in Neuseeland anzukommen, kündigt sich aber auf einmal auch ganz deutlich das Ende meiner Reise an. Das ist zwar immer noch ein paar Wochen entfernt, aber dadurch dass mein Rückflugdatum seit ein paar Tagen feststeht, sind die Tage meiner Reise nun sprichwörtlich gezählt. Das wird mir, jetzt wo Neuseeland da unter den Wolken auftaucht, auf einmal ganz deutlich bewusst. Naja gut, erstmal ankommen.

Das Prozedere am Flughafen kenn ich mittlerweile ja schon. Nach der Passkontrolle geht es Richtung Gepäckförderband, wo ich alle meine Taschen und den Fahrradkarton abhole. Von dort weiter Richtung Zoll und zur Biosecurity, wo sicherlich nochmal mein Fahrrad und das Zelt auf Rückstände von Erde, Gras und ähnlichem untersucht werden. Ich rechne mit etwa einer halben Stunde. Um 14 Uhr könnt ich also fertig sein, vor dem Flughafen mein Fahrrad zusammengebaut haben und auf dem Weg nach Auckland sein. Aber es kommt alles ganz anders.

Am Schalter des Zolls nimmt die Beamtin meinen Pass entgegen und fängt an diesen durchzublättern. Und damit beginnt das mit Abstand anstrengendste, nervenaufreibendste Einreisedrama meiner gesamten Reise. Fragen tauchen auf – viele Fragen, Fragen auf die man an einem neuseeländischen Zollschalter erst mal kommen muss. Ob ich alleine unterwegs bin, will man wissen, was ich im Iran wollte, wie lange ich in Usbekistan war, warum ich so nah an Syrien vorbeigefahren bin, ob ich im Irak war, warum ich mein Rückflugticket so spät gebucht habe, wo ich übernachten werde, warum ich noch nicht weiß, was ich mir in Neuseeland alles anschauen möchte, wie viele Grenzen ich passiert habe, wo genau ich in Australien gewesen bin. Und das war jetzt nur eine winzige Auswahl an Fragen. Mit der Zeit wird die Schlange hinter mir immer länger, so dass ein zweiter Schalter aufgemacht wird.

Ganz am Anfang denk ich mir noch nicht so viel dabei, beantworte geduldig alle Fragen und schieb ab und zu noch ein Witzchen nach. Aber irgendwann fang ich mich dann doch an zu wundern und stell ebenfalls eine Frage. Und zwar, warum sie das denn alles wissen möchte. Eine Antwort darauf bleibt die Beamtin mir jedoch schuldig bzw. weicht gekonnt aus. Nach einer halben Stunde bin ich erlöst. Endlich geht es weiter. Allerdings nur ein paar Meter. Ich werde aufgefordert mein Gepäck an einen Tisch zu schieben, der kurz hinter dem Schalter steht und dort zu warten. Es kommt gleich jemand.

Nach zehn Minuten kommt tatsächlich jemand. Und dann beginnt Fragerunde 2. Wieder Fragen zu meiner Route, zum Grund meiner Reise, zu meinen Ausrüstungsgegenständen etc. Außerdem wird jede meiner Taschen kontrolliert. Also aufs Genaueste. Jedes einzelne Ausrüstungsteil und Kleidungsstück wird ausgepackt und begutachtet, gedreht und gewendet. Auf dem Tisch liegt irgendwann ein Berg aus Taschen, Kleidung, Werkzeug und Kochgeschirr. Meine Tagebücher werden durchblättert und immer wieder werden ähnliche Fragen gestellt. Mit der Zeit kommt mir das alles wie das reinste Verhör vor. Die ganze Situation wirkt auf mich außerdem ziemlich angespannt. So als wäre ich schon fast wegen irgendetwas überführt. Ich mein, die Beamten sind schon, sagen wir mal, distanziert-freundlich. Ich bekomm etwas zu Trinken, werde aber gleichzeitig auch aufgefordert mich nicht so nah an den Tisch zu setzen. Gehört sicher zum Protokoll und wird bestimmt auch immer so gehandhabt, es erzeugt in mir aber ziemlich befremdliches Gefühl.

Und irgendwann nervt es einfach nur noch. Gerade weil es kein Ende zu nehmen scheint. Am Anfang versuch ich ja wie gesagt noch ruhig zu bleiben und sag mir, dass die Leute vom Zoll ja auch nur ihren Job machen. Auch den Drogentest mit speziellen Kontrollstreifen lass ich höchstens mit einem kleinen Stirnrunzeln über meine Taschen ergehen. Aber meine Antworten werden zusehends einsilbiger. Als dann jedoch zum dritten Mal gefragt wird, wo ich in Australien unterwegs gewesen bin, da kann ich einfach nicht mehr an mir halten. Dass er verdammt nochmal zuhören soll, wenn ich etwas erkläre, mache ich meinem Ärger gegenüber dem Beamten ziemlich deutlich Luft. Der ist noch ziemlich jung und wirkt auf mich, als würde er hier Dienst nach Lehrbuch veranstalten. Auf meine erneute Frage, warum ich hier so aufwendig untersucht würde und was die ganzen Fragerei soll, antwortet er, dass dies eben Aufgaben des Zolls sei. Er verschwindet dann irgendwann mit meinem Schlafsack, der Isomatte und meinem Fahrradkarton und meint, dass er das jetzt alles zur Kontrolle röntgen lassen müsse. Also da wusste ich dann wirklich nicht mehr, ob ich weinen oder lachen soll und konnte mein Gesicht nur noch ganz tief in meinen Händen vergraben.

Nach etwa zwei Stunden ist dann auch dieser Teil überstanden. Es geht nun weiter mit dem Mitarbeiter von der Biosecurity. Dieser fängt an mein Campingequipment, meine Schuhe und das Fahrrad zu untersuchen. Da ich in Melbourne aber alles penibel geputzt hatte, war er recht schnell fertig, saugte jedoch am Ende zur Sicherheit noch die letzten Krümel aus meinen Fahrradtaschen.
Und dann ging es weiter zur nächsten Befragung. In den ersten Stock in ein kleines Nebenzimmer. Dort wurden dann von einer dritten Beamtin ähnliche Fragen gestellt, wie in Runde 1 und 2. Wie finanziere ich die Reise? Was möchte ich mir in Neuseeland ansehen? Wo übernachten?

Nach weiteren zwanzig Minuten werde ich dann auch dort entlassen und soll nochmal kurz im Flur warten. Man würde sich jetzt besprechen. Zu diesem Zeitpunkt war es mir jedoch schon vollkommen egal, ob man mich einreisen lassen würde oder nicht. Ich war einfach nur noch total genervt. Eine so penible Kontrolle habe ich wirklich an keiner einzigen Grenze erlebt. Nichtmal im Ansatz. An den meisten Grenzen wurden zwar meine Taschen geröntgt, an der usbekisch-kirgisischen Grenze auch mal stichprobenartig ein Blick hinein geworfen und die Bilder meiner Kamera kontrolliert, die Grenzübertritte selbst haben jedoch nie länger als eine Stunde gedauert. Meistens war es sogar deutlich kürzer. Ich hatte auf jeden Fall immer das Gefühl, dass der Kontrollaufwand vollkommen im Rahmen ist und im Verhältnis steht. Jedoch nicht so in Neuseeland. Vollkommen überzogen war das. Ich mein, ich bin doch sicher nicht der erste Radfahrer, der nach Neuseeland kommt, der durch Zentralasien gefahren ist und noch nicht seine komplette Reiseroute für Neuseeland im Kopf hat. Naja, wie auch immer. Nach etwa fünfminütiger Beratung beschließt man schlussendlich, dass alles in Ordnung ist und ich gehen kann.

Als ich mit meinem Fahrrad und dem Gepäck vor dem Flughafengebäude stehe, ist es schon nach 16 Uhr. Bis ich mein Fahrrad zusammengebaut habe, ist es dunkel. Mittlerweile regnet es auch in Strömen. Ein Wetter passend zu meiner Stimmung. Um eine Nachtfahrt auf den Highways zu vermeiden, entscheide ich mich die 20 Kilometer nach Auckland mit einem Shuttlebus zurückzulegen. Außerdem will ich jetzt einfach nur noch irgendwo ankommen. Die Adresse eines Hostels hab ich mir noch in Melbourne rausgesucht. Hier setzt mich der Fahrer nach halbstündiger Fahrt ab und lädt mein Fahrrad aus dem Anhänger aus. Im Hostel merk ich dann kurze Zeit später, dass meine Regenjacke, die ich auf den Gepäckträger geschnallt hatte und mein kleines Fähnchen aus der Lenkertasche fehlen. Das muss in dem Hänger, in dem wir mein Fahrrad zum Transport hinlegen mussten, irgendwie herausgerutscht und abgefallen sein. Zu allem Übel lag in einer meiner Jackentaschen auch noch meine heißgeliebt Mütze, nach der ich in Vietnam, als ich sie in einem Taxi hab liegen lassen, einmal eine halbe Stadt abtelefoniert habe.

Bilanz des Tages: Mütze weg, Jacke weg, Fahne weg, 40$ für einen Shuttlebus bezahlt und die nervigste Einreise, die ich jemals erlebt habe. Manchmal gibt es Tage, an denen wäre man besser gar nicht aufgestanden…