Von Küste zu Küste

Früh am Morgen am Kapitea-Stausee bei Kumara. Ich lieg im Zelt und bin gerade aufgewacht. Die Nacht war ziemlich unruhig. Gut geschlafen hab ich auf jeden Fall nicht. Ständig wurde ich vom Regen geweckt, der auf mein Zeltdach geprasselt ist. Eigentlich sollte es gestern schon regnen. Da hatte ich allerdings noch Glück. In der leisen Hoffnung vielleicht auch weiterhin vom Regen verschont zu bleiben, war mein Plan für heute daher, die Südalpen zur Hälfte zu überqueren und bis Arthur´s Pass zu kommen. Mit 69 Kilometern und knapp 800 zu überwindenden Höhenmetern wäre das von hier aus ja eigentlich auch absolut machbar. Bei der aktuellen Wetterlage will ich mir jedoch noch nicht mal im Ansatz vorstellen, auch nur einen Meter vors Zelt treten zu müssen. Besonders jetzt, wo ich noch in meinem warmen Schlafsack liege.

Soll ich überhaupt fahren? Ich könnte ja auch einfach hier bleiben und versuchen den Regen auszusitzen. Vorräte für zwei Tage hätte ich da. Zeit hätte ich auch genug und bisher ist ja auch noch alles trocken, abgesehen von meinem Außenzelt. Hier zu bleiben wäre also durchaus eine Option. Und momentan zugegebenermaßen auch auch eine ziemlich verlockende. Allerdings sind die Wetteraussichten für die weitere Woche nicht unbedingt besser, so dass ich morgen früh das gleiche Problem hätte, dann jedoch nur noch mit Vorräten für einen Tag.

Wieder so eine Situation, in der guter Rat teuer ist. Ich glaub, derlei Entscheidungen müssen beim Essen getroffen werden. Und da brauch ich jetzt auf jeden Fall Nervennahrung. Zum Frühstück gibt’s daher eine Tasse Kaffee und eine ganze Packung Haselnusswaffeln. Morgens gleich mal sündigen… Die sind aber auch so unglaublich lecker. Und sie helfen bestimmt auch beim Nachdenken. Da der Regen während meines Frühstücks etwas nachlässt, entscheide ich mich spontan dafür es zu probieren. Die Hälfte der Strecke würde ja auch schon reichen. Und ich weiß ja eigentlich auch, dass diese Regenfahrten gar nicht so dramatisch sind, wenn man mal auf dem Rad sitzt und unterwegs ist. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, denn zuallererst muss ich ja alles zusammenpacken und das Zelt abbauen. Bei Nässe ist das jedes Mal eine unglaubliche Überwindung für mich. Kann man sich vielleicht gar nicht so vorstellen. Eigentlich muss man ja nur irgendwelche Dinge in Taschen stecken, diese am Rad befestigen, dann das nasse Zelt abbauen, einpacken und ebenfalls am Rad verstauen. Klingt total simpel, ich finds jedoch viel anstrengender, als einen ganzen Tag durch den Regen fahren zu müssen. Irgendwann an diesem nassen Morgen ist der ganze Abbau dann aber erledigt und ich stehe abfahrbereit an der Straße und kann los.

Zunächst bleibt es relativ flach. Zum Einfahren finde ich das ganz angenehm. Und auch der Regen stört mich nicht sonderlich. Das ist echt immer das gleiche. Morgens im Zelt kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen, aber wenn ich dann mal auf dem Rad sitze, ist es wirklich auszuhalten. Nach etwa dreißig Kilometern komme ich an einem leerstehenden Hotel vorbei. Hier lacht mich ein langes Vordach an, unter dem es schön trocken ist. Obwohl meine Passfahrt bisher ja nicht sonderlich anstrengend war, ist es Zeit für eine erste Pause. Vor dem großen Anstieg brauche ich noch etwas Vernünftiges zu essen, denn so ein Waffelfrühstück hält ja nicht unbedingt sehr lange vor. Irgendwie wundert mich das ja schon: ich habe fast die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht, aber bisher kaum Höhenmeter gemacht. Zwischendrin ging es sogar mal wieder ein ganzes Stück bergab. Also entweder habe ich eine komplett falsche Höhenangabe im Kopf oder es wird noch ganz schön steil.

Es sollte letzteres der Fall sein. Fünf Kilometer hinter dem kleinen Ort Otira zeigt mein GPS-Gerät gerade einmal eine Höhe von knapp 400 Metern an. Bis zum Pass mit 920 Höhenmetern sind es jetzt allerdings nur noch zehn Kilometer. Da kann ich mir ja lebhaft vorstellen, was gleich passieren wird. Und tatsächlich, wie sich herausstellen sollte, stehe ich gerade am Anfang eines der anstrengendsten Abschnitte meiner Reise. Ziemlich bald wird es nämlich steil – also so richtig – so dass ich nur noch mit Mühe und Not in Schrittgeschwindigkeit fahren kann. Etwas später bin ich froh, überhaupt noch irgendwie voranzukommen. Auf etwa einem Kilometer gehts hier fast 200 Meter in die Höhe. An einer Überdachung zum Schutz vor Steinschlägen muss ich anhalten und eine Pause einlegen. Kurzzeitig wird mir ganz schummrig vor Augen, so dass ich eine Weile über meinem Fahrrad gebeugt dastehe und abwarte, bis es wieder besser ist. Noch zwei Kilometer bis zum Pass….

Solange keine Autos in Sicht sind, nutze ich ab jetzt die gesamte Breite der Straße und arbeite mich in flachen Zickzacklinien den Berg hoch. Dazu zähle ich immer 100 Pedalumdrehungen ab, mach kurz eine Pause, steig dann wieder aufs Rad und zähl erneut 100 Umdrehungen ab. So gehts halbwegs und ich komme einigermaßen vorwärts. Ich versuche auf jeden Fall so lange wie möglich zu fahren, da es hier noch viel anstrengender wäre zu schieben. Für die wenigen Kilometer brauche ich weit mehr als eine Stunde.

Irgendwann taucht dann aber ein dunkler Steinblock neben mir am Straßenrand auf. Im Vorbeifahren erkenn ich einen verblichenen Schriftzug: Arthur´s Pass. Soll ich vielleicht ein Foto….? Noch ehe ich zu Ende gedacht habe, bin ich auf der anderen Seite schon wieder auf dem Weg nach unten Endlich kann ichs rollen lassen. Aber das kann ich eigentlich nicht bringen, so ganz ohne Foto nach dieser Tortur. Ich überleg kurz….und eh ich zu weit unten bin, brems ich ab und fahr nochmal zurück. Schnell das Stativ aufbauen, ein Foto machen und wieder weiter. Ich hätt ja im Leben nicht gedacht, dass ich es heute bis hier her schaffe. Durchnässt und langsam auch frierend fahr ich zur Jugendherberge im Ort und genieß hier für den Rest des Abends die behagliche Wärme in dem kleinen Wohnzimmer und meine Reservepackung Waffeln für Notfälle wie heute.

In Arthur´s Pass Village bleibe ich einen Tag. Zwar regnet es auch an diesem fast durchgehend, aber eine kleine Wanderung mach ich trotzdem. Wenn ich schon mal hier bin. Den größten Teil meines freien Tages mach ichs mir jedoch in dem kleinen Wohnzimmer gemütlich, sitz auf einer Couch direkt an der gläsernen Terrassentür, schau ab und zu nach draußen (und freu mich, dass ich hier drinnen im Warmen sitzen kann) und bin ganz vertieft in einen spannenden Krimi, den ich im Büchertauschregal gefunden habe. Jetzt noch einen heißen Früchtetee mit Honig und ein prasselndes Kaminfeuer….das wärs.

Den Krimi schaff ich leider nur zur Hälfte, denn am nächsten Tag geht es auch schon wieder weiter. Für heute ist sonniges Wetter angekündigt und das will ich unbedingt nutzen. In welch schöner Umgebung ich gelandet hier bin, seh ich jetzt erst so richtig, denn die beiden letzten Tage hingen die Wolken so tief, dass man die Berge allerhöchstens erahnen konnte. Schnell klart der Himmel auf und im warmen Sonnenschein kann ich mich auf den Weg machen. Und auf was für einen…

Es ist kann kaum zu beschreiben, wie schön es hier ist. Genau so hab ich mir Neuseeland immer vorgestellt: schneebedeckte Berggipfel, weites Land und eine Umgebung, vor der man nur noch mit offenem Mund stehen und staunen kann. Ständig muss ich an- und innehalten. Schon nach 30 Kilometern ist für heute Schluss, denn am Lake Pearson finde ich einen so schönen Platz für mein Zelt, dass ich einfach hier bleibe und den Rest des Tages am See genieße. Am nächsten Tag werde ich früh von der Sonne geweckt. Heute durchquere ich den westlichen Teil der Südalpen. Und es bleibt trocken und warm. Bei diesem Wetter sind die Südalpen ein absoluter Traum. Ich würde sogar sagen, dass es landschaftlich mit das Schönste und Beeindruckendste ist, was ich auf meiner gesamten Reise gesehen habe.
Man kann diese Strecke auch in einer Tagesreise mit dem Zug bewältigen, was gerade bei Besuchern ziemlich beliebt ist. Wie ich in einem Reiseführer gelesen habe, gehört diese Passage mit zu den schönsten Zugstrecken der Welt. Das glaub ich auf jeden Fall sofort.

Nach drei Tagen erreiche ich dann schon die Westseite der Alpen. Die letzten 70 Kilometer nach Christchurch geht es von hier durch flaches Farmland. In Christchurch selbst bin ich vorgestern angekommen. Hier hab ich zum ersten Mal das Gefühl es tatsächlich geschafft zu haben, denn Akaroa befindet sich jetzt nur noch eine gemütliche Tagesetappe entfernt. Das muss jetzt erst mal langsam bei mir ankommen. Daher leg ich hier in Christchurch nochmal einen Zwischenstopp von einem oder zwei Tagen ein, bevor es dann auf das jetzt wirklich allerletzte Stück meiner Reise gehen wird.

Sonne, Berge und eine verschwundene Stadt

Winter in Neuseeland. Witterungstechnisch bedeutet das, dass sich hier Sonne, Regen, Hagel, Wind und Schnee manchmal an einem einzigen Tag erleben lassen. Das Wetter kann so wechselhaft sein, dass man sich besser auf alle Eventualitäten einstellt. Daher war ich auch ziemlich skeptisch, als der Wetterbericht in Picton für die nächsten Tage durchgehend Sonne angekündigt hat. Das wär einfach viel zu schön, um wahr zu sein. Besonders, nachdem es ja auf der Nordinsel ziemlich nass gewesen ist. Aber der erste Blick aus dem Fenster Anfang letzter Woche lässt dann sogar hoffen. Blauer Himmel und fast keine Wolken am Himmel. Und das, obwohl es am Vortag noch fast ununterbrochen geregnet hat. Wie das doch die Motivation aufs Rad zu steigen heben kann. Schnell sind da die Taschen gepackt und am Rad befestigt.

Ursprünglich war ja mein Plan an der Ostküste entlang bis nach Christchurch zu fahren. Das wäre auch der direkte Weg. Letzte Woche hab ich diesen Plan dann aber spontan verworfen, denn ich wollte nochmal so richtig spektakuläre und neuseelandtypische Berglandschaften erleben. So schön die Nordinsel auch ist, aber das hat sie dann eher nicht zu bieten gehabt – abgesehen vielleicht vom Tongariro-Nationalpark. Von Picton aus mach ich mich daher Richtung Westküste auf den Weg. Die werde ich bis Greymouth, was sich etwa auf der Höhe von Christchurch befindet, entlangradeln, von dort ins Landesinnere Richtung Osten abbiegen, dann die Südalpen via Arthurs Pass überqueren,  weiter nach Christchurch und dann nach Akaroa fahren. Das ist zeitlich machbar und landschaftlich sicher auch viel eindrucksvoller als die Ostküste. Und wenn sich das Wetter wirklich halten sollte, dann werde ich sogar ein ganzes Stück an der Westküsten unterwegs sein können, ohne nass zu werden. Mal sehen…

Am Montag mach ich mich von Picton aus auf den Weg. Und das Wetter, das könnte echt nicht besser sein. Der Nordwesten der Südinsel gehört ja zu den sonnigsten Regionen Neuseelands. Und das erlebe ich gleich mal auf sehr eindrucksvolle Weise. Es ist sonnig und warm und schon jetzt ganz anders als auf der Nordinsel. Dort herrschte ja noch tiefster Winter. Hier sieht man hingegen schon die ersten Blüten an den Bäumen und es riecht richtig nach Frühling. Was für eine unglaublich Wohltat nach den vielen Wochen bei eher nasskalter Witterung. Seit Sydney war es ja wettertechnisch ziemlich durchwachsen gewesen. Aber gut, es ist halt Winter. Die Kälte hat mich dabei auch nie sonderlich gestört, aber die Nässe, die kann dann doch ganz schön an den Nerven zehren. Da gabs gerade in Australien öfter mal Momente, in denen ich andere Reisende, die in ihren warmen und trockenen Campervans unterwegs waren, echt beneidet habe. Besonders morgens.

Nicht jedoch heute. Heute ist es eher umgedreht. Es ist so schön draußen und unterwegs zu sein, dass es sich fast wie von selbst fährt. Dazu hör ich Porcelain von Moby rauf und runter. Ich weiß gar nicht, wo und wie ich jetzt wieder daran geraten bin, aber das passt so gut zum Wetter und auch sonst zu allem. Sonne, Musik hören und Fahrrad fahren. Und dann noch in Neuseeland. Da gibts doch kaum was Schöneres…

Von Picton aus nehm ich den Queen Charlotte Drive Richtung Nelson. Gleich nach dem Start wirds richtig hügelig, aber nicht so, dass man sich komplett verausgaben müsste. Und es ist richtig schön. Bergig, grün und sonnig. T-Shirt-Wetter. Wenn man so durch die Sonne radelt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass es ja auch hier noch Winter ist. Das merkt man aber spätestens, wenn es Abend wird und die Sonne untergegangen ist. Dann wird es ziemlich schnell richtig kalt.
Morgens ist mein Zelt meistens mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Es dauert dann manchmal auch noch eine ganze Weile bis die Sonne es geschafft hat, sich durch die Wolken zu arbeiten. Aber dann ist es schon bald wieder richtig schön. Und das bleibt es tatsächlich auch die nächsten Tage. Ein Hoch auf den Wetterbericht von Picton….

Nach Nelson geht es an der Tasman Bay und am Rande verschiedener Nationalparks entlang. Und ich bin umgeben von schneebedeckten Bergen. Das sieht so toll aus. So kurz vor dem Ende ist das jetzt nochmal ein absolutes Highlight. Zum Glück ist es sonnig, sonst würde mir diese imposante Bergkulisse total entgehen. Für die nächsten Tage wird Nelson die einzige Stadt sein, die ich passiere. Ansonsten komme ich nur an kleinen Ortschaften vorbei. Manchmal nur eine einzige am Tag. Der Nordwesten der Südinsel ist eben ziemlich dünn besiedelt. Auch die restliche Südinsel ist nicht gerade überbevölkert. Insgesamt leben hier nur etwa eine Million Menschen, wobei die Südinsel in etwa so groß ist, wie Ostdeutschland und Bayern zusammengenommen. Also reichlich Platz für wenig Menschen.

Vor 150 Jahren haben Goldfunde gerade im Nordwesten viele kleine Ortschaften entstehen lassen. Einige davon sind dann irgendwann wieder verschwunden. So, wie die kleine Stadt Lyell. Die hat mich im Nachhinein total fasziniert. Mitte des 19. Jh. zur Zeit des Goldrausches entstanden, lebten hier zeitweise über 1000 Menschen. Das war für damalige Verhältnisse eine richtig pulsierende Stadt. Es gab Banken, Geschäfte, acht Hotels, zwei Kirchen, zwei Schulen, eine Brauerei und sogar eine eigene Zeitung. Heute hingegen ist von all dem ist nichts mehr übrig. Nicht ein einziges Haus. Die Stadt ist einfach wieder verschwunden. Nur der Fredhof steht noch vom Wald überwuchert da. Dort wo Lyell einst stand, befindet sich heute der Startpunkt für einen Radwanderweg und ein Rast- und Picknickplatz der neuseeländischen Naturschutzbehörde. Ansonsten hätte ich von diesem Ort auch nie erfahren, denn eigentlich wollte ich hier ja nur zelten. Aber durch ein paar Infotafeln und Nigel, einem Goldsucher, der hier mit seiner Frau campiert, hab ich etwas von Lyell und seiner Geschichte erfahren können.

Mich faszinieren solche Orte ja total. Über einhundert Jahre gab es hier einen ganz normalen Alltag mit Menschen und ihren Geschichten und heute ist das alles bis auf einen Friedhof vollkommen verschwunden. Und ohne mein Fahrrad hätte ich von diesem Ort nie erfahren, denn im Auto wäre ich an Lyell bestimmt einfach vorbeigefahren.

Nach Lyell ging es dann in den letzten Tagen über Westport und auf dem Küstenhighway bis Greymouth. Von hier werde ich morgen dann weiterfahren und Richtung Arthurs Pass aufbrechen. Und von dort sind es dann nur noch drei oder vier Tagesetappen bis Akaroa.

 

 

Ankunft auf der Südinsel

Eigentlich brauch ich ja selten einen Wecker. Letzten Donnerstag hab ich mir dann aber doch einen gestellt, denn am Freitag ging es ungewohnt früh raus. Um acht Uhr sollte meine Fähre ablegen, letzter Check-in war um sieben. Und da ich mir beim Frühstücken immer gern Zeit lasse, hat mein Wecker am Freitag eben schon kurz vor halb sechs die Nacht für beendet erklärt. Das mit dem Wecker war gar keine schlechte Idee, denn ohne wäre mein Morgen wahrscheinlich ziemlich chaotisch verlaufen, da ich mit Sicherheit verschlafen hätte. Bin ich gar nicht mehr gewohnt, so früh aufzustehen. Ich brauchte daher auch ein bisschen, um in Gang zu kommen. Aber es wird.
Kurz vor sieben Uhr steh ich abreisefertig vor der Jugendherberge und kontrolliere wie jeden Morgen bevor ich losfahre noch routinemäßig, ob ich alles wichtige, also Reisepass, Geldbörse, Kamera und Handy, dabei habe. Dann noch schnell das GPS-Gerät für die Aufzeichnung meiner Reiseroute einschalten, den aktuellen Kilometerstand notieren und los.

Kurz vor sieben bin ich am Fährhafen. Das Terminal ist noch ganz leer, füllt sich aber zusehends mit Passagieren. Nach dem Check-in kann ich mich nochmal zurücklehnen, denn die Fähre hat eine halbe Stunde Verspätung. Mich stört das nicht, denn ich hab ja Zeit und ab Picton auf der Südinsel geht es wirklich nur noch mit dem Rad weiter, ganz anders als bei vielen anderen Wartenden, die einen Bus erwischen müssen und schon ganz unruhig werden.

Ja, jetzt geht es tatsächlich auf die allerletzte Etappe. Schon irgendwie ein komisches Gefühl. Wenn ich die Fähre verlassen habe, werde ich auf einer Straße stehen, die mich direkt bis Akaroa bringen wird. Bisher war es ja so gewesen, dass immer noch ein oder mehrere Flüge und eine Schiffspassage vor mir gelegen haben. Daher hatte ich selbst auf der Nordinsel Neuseelands das Gefühl, dass Akaroa noch immer ziemlich weit entfernt ist. Ab heute Mittag wird sich das jedoch zum ersten Mal ganz anders anfühlen. Die verbleibende Strecke wird dann nur noch auf wenige Tagesetappen zusammengeschrumpft sein, von denen man jeden Meter mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Da hab ichs jetzt wirklich bald geschafft. Einerseits freut mich das natürlich, denn Akaroa war ja die ganzen Monate mein Ziel gewesen, anderseits muss ich mich aber eben auch langsam damit anfreunden, dass meine Reise bald zu Ende sein wird. Und das wird dann bestimmt eine ganz schöne schwere Umstellung werden.

Im Moment will ich mir darüber aber noch gar nicht so sehr den Kopf zerbrechen und schiebe diese Gedanken daher wieder weit weg. Erstmal freu mich jetzt auf die Überfahrt. Die ist knapp drei Stunden lang und führt auf einer etwa 90 Kilometer langen Route von Wellington durch die sturmgepeitschte Cook Strait, einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Die Fahrt führt bis nach Picton, einer kleinen Stadt an der Nordspitze der Südinsel, fast am Ende des Queen Charlotte Sound gelegen. Dass es stürmisch wird, merkt man schon bei der Hafenausfahrt. Spätestens jedoch, als wir die schützende Hafenbucht von Wellington verlassen haben. Ich kann es nur schwer abschätzen, wie schnell der Wind weht, aber es fällt richtig schwer über das Deck zu laufen. Und stehen kann man nur noch mit deutlicher Schräglage nach vorne. Diesen Wind auf Abruf als Rückenwind beim Radfahren…das wär genial. Ein oder zwei Prozent Steigung ohne zu treten, wären da sicher kein Problem. Ich zieh daher auf jeden Fall mal meine Kapuze ganz fest über den Kopf – hab mich nämlich gerade so langsam mit meiner neue Mütze angefreundet, nicht, dass die auch noch verloren geht.

Ich verbringe die meiste Zeit draußen an Deck, obwohl es mit der Zeit ganz schön kalt wird. Zwischendrin geh ich immer mal wieder rein, um mich ein bisschen aufzuwärmen. Aber nur kurz. Draußen ist es einfach viel zu schön. Allein schon der Wind. Und dann ändern sich auch ständig die Wolkenbilder am Himmel und das Licht auf dem Wasser und an Land. Nachdem wir die Bucht bei Wellington verlassen haben, kann man schon ziemlich deutlich die schneebedeckten Berge auf der Südinsel erkennen. Von der Hafenbucht aus geht es auf der Cook Strait dann erstmal grob Richtung Nordwesten, quasi zwischen beiden Inseln hindurch und dann hinein in den malerisch schönen Queen Charlotte Sound. Hier hat auch schon James Cook während seiner Entdeckungsfahrten immer wieder mal geankert, um sich und seinen Männern eine Pause zu gönnen.

Kaum sind wir vom offenen Meer in den Sound eingebogen, geht der Wind merklich zurück. Dafür fängt es aber bald an so richtig schön zu regnen. Es wär echt auch zu schön gewesen, wenn das Wetter gehalten hätte. Naja, man kann nicht alles haben. Immerhin hatte ich in Wellington drei Tage am Stück regenfrei. In Picton quartier ich mich daher nochmal für eine Nacht in einer Jugendherberge ein, denn die Nordspitze der Südinsel – die Marlborough-Sounds – sollen zu einer der schönsten Gegenden der Südinsel gehören. Und das möchte ich jetzt gern auch mal bei Sonne erleben. Die soll ab morgen wieder scheinen und dann laut Wetterbericht auf jeden Fall auf unbestimmte Zeit. Ich bin gespannt und freu mich auf jeden Fall schon mal auf meine ersten Meter auf der Südinsel.

Aktive Vulkane und Sonne satt

Das Tongariro Alpine Crossing soll ja zu den schönsten Tageswanderungen der Welt gehören. So hab ich es zumindest in einem Reiseführer gelesen. In nur wenigen Kilometern lassen sich hierbei ganz unterschiedliche und äußerst spektakuläre Landschaften erleben. Fast schon wie aus einer anderen Welt. Man passiert erkaltete Lavafelder, heiße Quellen, Gletschertäler und Bergseen und überquert dabei ein Massiv, das von den drei aktiven Vulkanen Mt. Tongariro, Mt. Ruhapehu und Mt. Ngauruhoe beherrscht wird. Und eben dieser Mt. Ngauruhoe war es, der in den Herr-der-Ringe-Filmen quasi zu Weltruhm gelangt ist. Hier hat Frodo nämlich den Ring hineingeworfen und so Mittelerde vor Saurons Herrschaft bewahrt. Für mich Gründe genug, um den Tongariro National Park und das Alpine Crossing zu meinem persönlichen Highlight der Nordinsel zu erklären.

Aber ausgerechnet jetzt ist das Wetter so schlecht. Regen, Schnee und Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h am Red Crater, dem höchsten Punkt der Wanderung, machen eine Überquerung faktisch unmöglich. Ganze vier Tagen harre ich daher in Turangi aus und warte auf eine Wetterbesserung. Aber weder im örtlichen Touristeninfo-Center noch im Hostel macht man mir allzu große Hoffnungen, dass sich diesbezüglich in den nächsten Tage etwas ändern wird. Die Hostelbesitzerin fiebert quasi mit mir mit, aber es hilft alles nichts. Am Sonntagmorgen druckt sie den aktuellen Wetterbericht für den Tongariro-Nationalpark aus und auf dem heißt es, dass bis voraussichtlich Dienstag alle Touren ausgesetzt sind.

Da kann man wohl nichts machen. Bis spätestens Dienstag hätte ich ja gewartet, länger geht es aber absolut nicht, da mir sonst die Zeit auf der Südinsel zu knapp wird. Daher heißt es für mich am Montag Taschen packen und weiter fahren. Ziemlich schade, gerade weil ich wegen des schlechten Wetters schon zwei schöne Radwanderwege ausfallen lassen musste. Aber da steckt man eben nicht drin. Mein Plan ist jetzt, in maximal vier Tagesetappen nach Wellington durchzufahren. So kann ich zumindest ein bisschen Zeit gut machen. Und vielleicht ist das Wetter auf der Südinsel ja ein bisschen besser.

Meine erste Etappe führt mich von Turangi bis National Park. Hier wollte ich mal wieder zelten. Die vielen Nächte in Hostels gehen ja irgendwann doch ganz schön ins Geld. Da es jedoch auch am Montag entgegen aller Vorhersagen fast nur regnet, habe ich nicht die geringste Lust irgendwo im nassen Gras mein Zelt aufzubauen. Glücklicherweise – muss ich im Rückblick sagen. Denn ohne den Regen hätte ich ja nie die Jugendherberge in National Park angesteuert.

An der Rezeption lern ich hier Michael, Malu, Philipp und Logan kennen. Die vier wollten bzw. wollen genau wie ich den Tongariro Nationalpark durchwandern und haben sich gerade für eine Tour angemeldet. Und zumindest Michael und Malu haben ebenfalls schon einige Tage auf besseres Wetter gewartet und sind heute extra nochmal nach National Park zurückgekehrt. Im Grund sind wir also Leidensgenossen. Es steht zwar noch nicht fest, ob es eine Tour geben wird, aber für Dienstag ist jetzt anscheinend doch besseres Wetter angekündigt. Naja, mal abwarten. Ich werd das morgen einfach spontan entscheiden.

Am Dienstag um halb sieben dann der prüfende Blick aus dem Fenster. Die Sonne ist zwar noch nicht aufgegangen aber schon jetzt sieht man keine einzige Wolke am Himmel. Na wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Ich pack meine Sachen – also nur den Rucksack – und los gehts, zusammen mit Michael, Malu, Logan und Philipp zum Treffpunkt des Tourveranstalters. Entgegen unseren Erwartungen herrscht hier dichtes Gedränge. Da haben wahrscheinlich so einige auf besseres Wetter gewartet. Es dauert daher eine ganze Weile bis jeder mit Helm, Eishammer und Steigeisen ausgestattet ist. Aber kurz nach halb neun sind wir startklar und mit zwei Bussen geht es zum Mangatepopo-Parkplatz im Nationalpark. Und von hier beginnt dann unsere Tour. Und das Beste ist: bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Was ein Kontrast zu den letzten Tagen.

Zum Einlaufen geht es erstmal durch ganz flaches Gelände. Bäume gibt es keine, dafür wachsen hier aber noch kleine Büsche und irgendwelche Gräser. Und es liegt Schnee. Trotzdem ist es nach den ersten Metern warm genug, um kurzärmlig zu laufen. Was für eine Wohltat nach den vielen Tagen im Regen. Und das Wetter, das könnte besser nicht sein. Selbst unsere Guides sind ganz begeistert und meinen, dass sie selten so einen guten Blick auf die Berge hatten. Oftmals liegt bei den Touren die Sicht nur bei wenigen hundert Metern, so dass die Vulkane nicht selten hinter einem dichten Wolkenschleier verborgen bleiben. Wir haben allerdings richtig Glück. Selbst der knapp 60 Kilometer entfernte Mt. Taranaki an der Westküste Neuseelands ist in der Ferne zu sehen.

Mit der Zeit wird das Gelände etwas steiler. Über Eis und Schnee geht es vorbei an erkaltetem Lavagestein. Links von uns Mt. Tongariro, im Rücken Mt. Taranaki und rechts bzw. im Süden erhebt sich Mt. Ngauruhoe bzw. der Schicksalsberg immer weiter in den Himmel. Man weiß eigentlich gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Auch Malu, Michael, Philipp und Logan sind total begeistert. Zum Glück hat das noch geklappt. Und dieses Wetter….echt der Wahnsinn.

Während einer der Pausen erfahren wir, dass Mt. Ngauruhoe gerade einmal knapp 2500 Jahre alt ist, ein Wimpernschlag – zumindest im Leben eines Berges. Er ist einer der aktivsten Vulkane Neuseelands und allein im letzten Jahrhundert über 15 Mal ausgebrochen. Sein letzter größerer Ausbruch ereignete sich Mitte der 70er Jahre, weswegen viele der Steine um uns herum noch nicht einmal 50 Jahre alt sind. Seine perfekte Kegelform hat ihm zu seinem großen Auftritt in der Herr-der-Ringe-Trilogie verholfen. Und jetzt direkt mal davor zu stehen….ich muss echt sagen, da hat sich die ganze Warterei wirklich gelohnt.

Der erste richtig steile Anstieg führt uns zum Mangatepopo-Sattel. Schon von hier hat man einen atemberaubenden Blick nach Westen. Wie gesagt, selbst die schneebedeckte Spitze vom Mt. Taranaki an der Westküste Neuseelands kann man deutlich erkennen. Hier auf dem Sattel gibts erst mal eine wohlverdiente Mittagspause. Als wir uns dann irgendwann wieder auf den Weg gemacht haben, befinden wir uns nach ein paar Metern auf einem Hochplateau, dem South Crater und sind im alpinen Bereich des Vulkanmassivs angekommen. Trotzdem hat man mal wieder etwas Zeit zu verschnaufen, da das Gelände vollkommen flach ist. Und es ist weiterhin allerbestes Wanderwetter. Die Sonne brennt vom Himmel und es regt sich kein Lüftchen, so dass man im Laufen ganz schön ins Schwitzen kommt. 

Unser zweiter längerer Anstieg führt uns zum Fuße des Red Crater, einem aktiven Krater, der den höchsten Punkt des Tongariro Alpine Crossings bildet. Von hier würde der Weg jetzt weiter über den Krater gehen. Das sind nochmal knappe 150 Höhenmeter. Für uns ist am Fuße des Red Crater allerdings Schluss. Es besteht erhöhte Lawinengefahr (Stufe 4 von 5) so dass wir uns von hier aus wieder auf den etwa acht Kilometer langen Rückweg machen. Über den Red Crater weiter zum Endpunkt des Alpine Crossings zu laufen, das wäre jetzt natürlich noch das Sahnehäubchen gewesen. Aber ich möcht mich ja gar nicht beschweren. Dass das mit der Wanderung überhaupt noch geklappt hat….da können wir echt froh sein.

Das seh ich spätestens am nächsten Morgen. Denn wie die ganzen letzten Tage auch, regnet es mal wieder fast ohne Unterlass und auch die drei Vulkane sind wieder hinter Wolken verschwunden. Aber es hilft alles nichts, ich muss raus, um jetzt wirklich mal etwas voranzukommen. Nach einem ausgiebigen Frühstück werde ich an diesem Tag bis Wanganui  fahren. Insgesamt fast 125 Kilometer und die ersten 80 davon durch strömenden Regen. Aber das radel ich mit einem Dauergrinsen ab, denn immerhin hat das mit der Wanderung im Tongario-Nationalpark ja nun doch noch geklappt. Und zwar bei allerschönstem Sonnenschein.

Trocken wärs auch ganz schön

Schuhe kaufen – das steht momentan ganz oben auf meiner Liste. Wenn ich zur Zeit nämlich etwas ganz dringend brauchen kann, dann sind es vernünftige Schuhe. Meine Fahrradschuhe haben ja wirklich tapfer durchgehalten – und lange sahs auch wirklich so aus, als würden sie es bis nach Neuseeland und von dort wieder zurück nach Hause schaffen. Aber in Australien war es irgendwann so weit und sie sind mir quasi im Fahren von den Füßen gefallen. Die Stiefel, die ich daraufhin in einer Hippiekommune geschenkt bekommen habe, waren daher ein richtiger Glücksfall. Vor allem auch, weil sie unglaublich bequem sind und wie angegossen passen. Allerdings sind sie nicht wasserdicht, so dass ich tageweise schon mit komplett nassen Schuhen fahren musste. Wasserdicht sollten Schuhe daher hier in Neuseeland auf jeden Fall sein, zumindest, wenn man nur ein Paar besitzt, denn der Winter hat es aktuell ganz schön in sich. Er ist zwar nicht sehr kalt, dafür aber ganz schön nass. Momentan jeden Tag und immer auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Mal ist es eine Art leichter, irischer Sprühregen, bei dem man zunächst kaum merkt, dass es regnet, man aber langsam und fast ebenso unbemerkt immer nasser wird, mal ist es ein typischer Landregen, der über viele Stunden anhält und einen durch das laute Trommeln aufs Zeltdach abends nicht einschlafen lässt, nachts aufweckt und dann lange wach hält und mal sind es kurze kräftige Schauer, bei denen man kaum Zeit hat sich eine Jacke überzuziehen, bevor man völlig durchnässt ist.

Nicht nur tagsüber sondern gerade auch abends bringt mich die aktuelle Wetterlage oftmals zum verzweifeln, da ich, weil der Boden vielerorts nass ist, meist ganz schön lange suchen muss, bis ich ein  halbwegs geeignetes Fleckchen für mein Zelt gefunden habe. Mit meiner Unterlegplane kann ich zwar die gröbste Nässe etwas abhalten, trotzdem wird der Zeltboden, wenn ich lange auf einer Stelle sitze oder liege, nach einer Weile innen einfach nass. Das drückt sich einfach durch. Selbst mit der Plane.  Nachts muss ich daher immer darauf Acht geben mit dem Schlafsack möglichst nicht oder zumindest nicht zu lange auf dem feucht gewordenen Zeltboden zu liegen, da die Feuchtigkeit sonst eben auch langsam in den Schlafsack kriecht. Von oben bin ich nachts bisher aber immer trocken geblieben. Zum Glück. Nicht auszudenken, wenn es zusätzlich zum nassen Zeltboden von oben auch noch zu tropfen anfangen würde.

Morgens ist es bei der Nässe und Kälte immer eine ganz schöne Überwindung aufzustehen. Aber wenn dann mal alles verstaut und in Bewegung ist, geht es wieder. Wichtig ist halt, dass der Oberkörper und vor allem auch die Füße trocken bleiben. Und deswegen geht es die nächsten Tage mal auf Schuhsuche. Das sollte nicht das Problem werden, denn mittlerweile bin ich in Taupo angekommen, einer kleinen Stadt im Zentrum der Nordinsel und einem der Outdoorzentren schlechthin. Wasserdichte Wanderschuhe werde ich wohl am ehesten hier finden. Aber auch so lässt es sich in Taupo ganz gut aushalten, denn man kann hier nämlich so einiges unternehmen. Zum Beispiel viele schöne Wanderungen und Radtouren um den Taupo-See herum oder aber den See mit einem Kanu abpaddeln. Wenn mans etwas gemütlicher mag, kann man auch eine der nahegelegenen Thermalquellen besuchen. Bei der aktuellen Wetterlage vielleicht gar nicht das Schlechteste.

Mein aktueller Favorit wäre allerdings eine Überquerung der Alpen im nicht allzu weit entfernten Tongariro-Nationalpark. Das wäre in einer Tageswanderung möglich und für sich allein ja schon beeindruckend genug, denn die Route führt durch ein Vulkangebiet, vorbei an Bergseen, Kratern und Lavafeldern. Hinzu kommt jetzt allerdings noch, dass der Tongariro-Nationalpark als Kulisse für die Herr-der-Ringe-Filme gedient hat. Und daher würde man bei dieser Wanderung gleichzeitig auch noch mitten durch Mordor und am Mt. Ngauruhoe bzw. dem Schicksalsberg vorbeiwandern und ein atemberaubendes Bergpanorama genießen können. Ich hab die Landschaft ja bisher nur in den Herr-der-Ringe-Filmen oder auf Bildern sehen können, aber diese Wanderung muss wirklich unglaublich beeindruckend sein. Vor allem, wenn das Wetter mitspielt. Denn momentan würde man eigentlich kaum mehr sehen, als Steine, Schnee und dichte Wolken. Daher warte ich mal noch ein paar Tage ab. Zur Not kann ich von Taupo ja auch erstmal weiterfahren, denn es gibt auch noch andere Orte, von denen man zu dieser Tour aufbrechen kann.

Trotzdem kann ich mich bislang aber nicht beklagen. Seit Auckland war ich nämlich hauptsächlich auf verschiedenen Radwanderwegen unterwegs, z. B. dem Hauraki-Rail-Trail und dem Waikato-River-Trail und konnte mich dabei schon mal etwas auf Neuseeland einstellen. Landschaftlich war dieses kurze Stück schon recht facettenreich. So ging es durch hügeliges Farmland, vorbei an kleinen Ortschaften, entlang am Waikato-River und durch verschiedene Wald- und Berglandschaften. Die ganz spektakulären, rauhen, neuseelandtypischen Landschaften (zumindest so wie ich sie mir vorstelle) haben bisher zwar noch gefehlt, sie könnten jetzt aber bald kommen. Eine Gelegenheit wäre in jedem Fall die Alpenüberquerung. Vielleicht hab ich ja Glück und das Wetter bessert sich die Tage mal. Das wär auf jeden Fall genial….